Bitcoin-Adresstypen erklÀrt: Welche gibt es und welche Funktion haben sie?

Marco Schneekluth
29. November 2023

Bitcoin hat die Welt der Finanzen revolutioniert, aber mit dieser Revolution kamen auch neue Konzepte ins Spiel, die vorwiegend fĂŒr Einsteiger unĂŒbersichtlich sein können. Insbesondere die verschiedenen Typen von Bitcoin-Adressen sorgen hier und da fĂŒr Verwirrung.

In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf das Thema Adresstypen. Wir werden uns ansehen, warum verschiedene Adressarten existieren, was sie unterscheidet und wie man Transaktionen zwischen ihnen durchfĂŒhrt.

Welche Bitcoin-Adresstypen gibt es?

Bitcoin wurde seit seiner Geburtsstunde kontinuierlich weiterentwickelt und verbessert. Dieser Entwicklung geht ein Diskurs voraus, der von Minern, Entwicklern und der Community vorangetrieben wird.

    Dabei kommt es immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten und historisch betrachtet war eine der Verbesserungen, die fĂŒr neue Adresstypen gesorgt hat, hoch umstritten. Gemeint ist damit Segregated Witness, denn dieses Feature hat 2017 zu einer Spaltung der Community gefĂŒhrt und war die Geburtsstunde von Bitcoin Cash (BCH).

    Welche Bitcoin-Adresstypen gibt es?

    Abseits von diesem historischen Ausflug kann man zusammenfassend sagen, dass die verschiedenen Adressformate mit technischen Lösungen verbunden sind. Sie sollen nĂ€mlich dafĂŒr sorgen, dass mehr Transaktionen in einem einzigen Block passen. Dadurch können mehr Transaktionen verarbeitet werden und außerdem können sie dadurch auch gĂŒnstiger werden. Konkret unterscheidet man zwischen folgenden Bitcoin-Adresstypen:

    Legacy-Adressen (P2PKH)

    Sie waren die erste Art von Bitcoin-Adressen und werden durch einen Adressbeginn mit "1" identifiziert. Sie sind einfach in der Struktur und bieten eine hohe KompatibilitĂ€t mit verschiedenen Wallets und Börsen. Allerdings haben sie Nachteile in Bezug auf Effizienz und TransaktionsgebĂŒhren, was sie fĂŒr hĂ€ufige Transaktionen weniger attraktiv macht.

    Eine Beispiel-Adresse lautet 1A1zP1eP5QGefi2DMPTfTL5SLmv7DivfNa

    Sie ist mit dem Genesis Block und damit der Schöpfung von Bitcoin verbunden. Viele Menschen glauben, dass diese Adresse von Satoshi Nakamoto selbst kontrolliert wird.

    SegWit-Adressen (P2SH)

    Diese Adressen, die mit "3" beginnen, wurden als Antwort auf die steigenden TransaktionsgebĂŒhren und langsameren BestĂ€tigungszeiten eingefĂŒhrt. SegWit, kurz fĂŒr Segregated Witness, verbessert die BlockgrĂ¶ĂŸenbeschrĂ€nkung und damit die Skalierbarkeit des Bitcoin-Netzwerks. Diese Adressen bieten geringere GebĂŒhren und schnellere TransaktionsbestĂ€tigungen im Vergleich zu Legacy-Adressen und sind deshalb sehr beliebt.

    Eine Beispiel-Adresse lautet 3J98t1WpEZ73CNmQviecrnyiWrnqRhWNLy

    Native SegWit-Adressen (bech32)

    Native SegWit-Adressen beginnen mit "bc1" und stellen eine weitere Verbesserung in der Entwicklung der Bitcoin-Adressstruktur dar. Sie sind fĂŒr ihre hohe Effizienz bekannt und bieten die niedrigsten TransaktionsgebĂŒhren sowie die schnellsten BestĂ€tigungszeiten. Ihre einzige EinschrĂ€nkung ist, dass sie nicht von allen Wallets und Börsen unterstĂŒtzt werden, was sich jedoch allmĂ€hlich Ă€ndert.

    Eine Beispiel-Adresse lautet bc1qar0srrr7xfkvy5l643lydnw9re59gtzzwf5mdq

    Taproot (P2TR)

    Diese Adressen sind die jĂŒngste Entwicklung in diesem Bereich. Sie beginnen mit „bc1p“ und sind grĂ¶ĂŸenmĂ€ĂŸig kleiner als Legacy-Adressen, aber verbrauchen mehr Platz als Transaktionen mit einer nativen SegWit-Adresse.

    Taproot ist ein Update, welches Smart Contracts einfĂŒhrt und damit komplexere Transaktionen zulĂ€sst. Zudem verbessert Taproot auch etwas die PrivatsphĂ€re der Nutzer, wenn sie Bitcoin ausgeben. Die bekannteste Errungenschaft, die mit Taproot ermöglicht wurde, sind die Ordinals.

    Eine Beispiel-Adresse lautet: bc1p0lmuq9hv2zdzj5y6x3g0v7c8ewxtnp6yztrw60lhlxzw5c7yshqsnz0uez

    Vor- und Nachteile der Adresstypen

    Die Verwendung eines bestimmten Adresstyps hat also Vor- als auch Nachteile.

    Die Vorteile beziehen sich auf zwei Aspekte, nĂ€mlich entweder gĂŒnstigere TransaktionsgebĂŒhren oder erweiterten Funktionsumfang.

    Die Nachteile sind hingegen deutlich ĂŒbersichtlicher, denn hier geht es eher um die geringe Verbreitung bestimmter Adresstypen bei Dienstleistern. Bietet beispielsweise eine Börse ihren Kunden keine SegWit-Adressen an, dann kostet es am Ende mehr, wenn man dorthin BTC transferiert. Auch beim Abheben wird diese Börse dann aller Voraussicht nach höhere TransaktionsgebĂŒhren von ihren Kunden einbehalten.

    Bitte beachte, dass du auf gar keinen Fall Bitcoin an die Beispiel-Adressen versenden darfst. Wir haben sie zufÀllig generiert und die BTC gehen in jedem Fall verloren.

    Der Transfer von Bitcoin in der Praxis

    FĂŒr AnfĂ€nger haben wir direkt eine gute Nachricht: alle Bitcoin-Adresstypen sind miteinander kompatibel, daher spricht man hier auch von InteroperabilitĂ€t. Man muss sich in der Praxis also keine Sorgen machen, dass man sich fĂŒr das falsche Format entscheidet. Was zĂ€hlt, ist ausschließlich der Anwendungsfall, den man fĂŒr Bitcoin hat.

    Die meisten Nutzer dĂŒrften sich gĂŒnstige GebĂŒhren wĂŒnschen, weshalb Bech-32 die beste Wahl darstellt. Doch was passiert, wenn man zwischen verschiedenen Adresstypen Bitcoin versendet? Beim Senden von Bitcoin gibt es verschiedene Szenarien, je nachdem, ob Legacy-Adressen oder SegWit-Adressen verwendet werden. Im Folgenden also zwei Beispiele fĂŒr Transaktionen.

    Transaktion zwischen Legacy-Adressen und SegWit-Adressen

    In diesem Beispiel soll der Ausgangspunkt eine Legacy-Adresse (P2PKH) sein, von der aus Bitcoin gesendet wird. Der Sender erstellt also mit ihr einen Input. Der Output soll an eine native SegWit-Adresse (PS2H) erfolgen.

    Weil der Input von einer Legacy-Adresse stammt, können weder EmpfĂ€nger noch der Absender von den Vorteilen profitieren und es werden höhere GebĂŒhren fĂŒr den Sender fĂ€llig. Erst wenn der EmpfĂ€nger mit dem Output der Transaktionen seinerseits einen neuen Input bildet, kommt er in den Genuss der Vorteile von SegWit, weil er das Adressformat verwendet.

    Dies kann auch der Fall sein, wenn die Rollen vertauscht sind. Bildet eine SegWit-Adresse den Input und der Output erfolgt an eine Legacy-Adresse, dann profitiert der Absender von der Verwendung seines Adressformats. Die konkrete Ersparnis betrĂ€gt in der Praxis zwischen 25 und 40 Prozent, wenn man eine SegWit-Adresse anstatt einer Legacy-Adresse verwendet. Sie schwankt, weil die effektiven GebĂŒhren auch von Faktoren wie etwa der Netzwerkauslastung abhĂ€ngig sind.

    Transaktionen zwischen Native SegWit-Adressen (bech32) und SegWit-Adressen (P2SH)

    Im zweiten Beispiel möchten wir aufzeigen, was passiert, wenn man zwischen einer SegWit-Adresse und einer nativen SegWit-Adresse Bitcoin transferiert. Wird der Input mit einer nativen SegWit-Adresse kreiert und soll der Output an eine SegWit-Adresse gehen, dann profitiert der Absender von den VorzĂŒgen.

    Auch der EmpfĂ€nger dieser Transaktion kann und wird von den Vorteilen der geringeren GebĂŒhren profitieren können, weil er zwar keine native Adresse, aber dennoch ein mit SegWit kompatibles Adressformat verwendet.

    Dementsprechend sieht es auch umgekehrt aus. Denn eine Native SegWit-Adresse kann auch verwendet werden, um einen Input zu erstellen, dessen Output an eine herkömmliche SegWit-Adresse geht. Auch in diesem Fall profitiert der Absender voll und ganz. Gleiches gilt fĂŒr den EmpfĂ€nger, denn seine Adresse ist kompatibel.

    Dementsprechend ist es also aus Sicht der GebĂŒhrenersparnis immer nur dann Ă€rgerlich, wenn es sich um eine Legacy-Adresse handelt. Wird Bitcoin zwischen SegWit Adressen transferiert, dann kann die Ersparnis gegenĂŒber der Verwendung von Legacy-Adressen sogar ĂŒber dem Höchstsatz von 40 Prozent liegen. Auch hier kommt es aufgrund anderer Faktoren ebenfalls zu Schwankungen. Insgesamt liegt man aber im Schnitt immer gĂŒnstiger, wenn SegWit im Spiel ist und den Input bildet.

    Welche Wallets empfehlen sich fĂŒr verschiedene Adresstypen?

    Mittlerweile ist es bei Soft- und Hardware Wallets nicht mehr die Frage, ob sie alle Formate unterstĂŒtzen. Es gibt nur noch wenige Ausnahmen, die ausschließlich auf Legacy-Adressen ausweichen.

    Bei Drittanbietern kann das anders aussehen, weil sie ihre Infrastruktur im Unternehmen anpassen mĂŒssen. Weil das mit Kosten verbunden ist, haben viele Unternehmen relativ lange gebraucht, bis sie SegWit vollstĂ€ndig ĂŒbernommen haben. Einige ĂŒberlassen es hingegen ihren Kunden, welchen Standard sie in ihrem Custodial Wallet verwenden möchten.

    Unterschied Custodial und Non-Custodial Wallet

    FĂŒr die meisten Benutzer empfiehlt sich die Verwendung von Hardware Wallets, weil sie das höchste Maß an Sicherheit und Komfort bieten. Insbesondere die Modelle von Ledger, Bitbox und Trezor sind es wert, dass man einen Blick auf sie wirft. Wenn du mehr zu dem Thema wissen möchtest, dann können wir dir unseren Hardware Wallet Vergleich empfehlen. Dort erfĂ€hrst du mehr zu den einzelnen Features der GerĂ€te.

    Unterm Strich hat mal also die freie Wahl, wobei sich im Jahr 2023 die meisten Nutzer standardmĂ€ĂŸig auf Native SegWit setzen werden. Hier sind immerhin die höchsten Ersparnisse möglich. Auf Dauer kann es natĂŒrlich sein, dass Smart Contracts auf Bitcoin attraktiver werden und deshalb in der Gesamtbetrachtung an Marktanteil gewinnen. Noch ist das nicht der Fall, weil die Technologie jung ist und erst Ende 2022 eingefĂŒhrt wurde.

    In diesem Beitrag, siehst du, erklÀre ich einen Anwendungsfall von Smart Contracts auf der Bitcoin-Blockchain (BRC-20 Token mit Ordinals-Inscriptions).

    FAQ zum Thema Bitcoin Adresstypen

    Was sind Bitcoin-Adressen?

    Bitcoin-Adressen sind Empfangsadressen fĂŒr Bitcoin, die sehr Ă€hnlich wie E-Mail-Adressen funktionieren. Sie sind das Ziel fĂŒr eine Bitcoin-Zahlung und bestehen aus einer langen Reihe von Buchstaben und Zahlen.

    Anhand der ersten Ziffern einer Adresse lĂ€sst sich der Adresstyp bestimmen. Bitcoin-Adressen bieten Pseudo-AnonymitĂ€t fĂŒr Absender und EmpfĂ€nger, aber daher keine vollstĂ€ndige AnonymitĂ€t fĂŒr Teilnehmer im Netzwerk. Mehr zur AnonymitĂ€t bei Bitcoin.

    Sind alle Bitcoin-Adressen sicher?

    Ja, alle Bitcoin-Adressen sind sicher, solange sie korrekt erzeugt werden und die Private Keys zu den Adressen sicher aufbewahrt werden.

    Die Sicherheit hÀngt also nicht vom Adresstyp ab, sondern von der korrekten Handhabung. Neben soliden IT-Grundkenntnissen sollte man sich also explizit mit der Dokumentation des verwendeten Bitcoin Wallets eingehend beschÀftigen.

    Haben Bitcoin Testnet-Adressen unterschiedliche Formate?

    Ja, Adressen im Testnet tragen ein anderes Format, damit man sie von echten Adressen hinreichend unterscheiden kann. Legacy-Adressen beginnen hier immer mit „m“ oder „n“.

    SegWit-Adressen beginnen hier mit „2“. Native SegWit und Taproot-Adressen beginnen mit „tb1“, wobei die Taproot-Adressen deutlich lĂ€nger sind. Das Testnet ist dazu gedacht, Entwicklern eine Spielwiese zu bieten, auf der die Transaktionen keine wirtschaftlichen Konsequenzen haben.

    Kann man eine Legacy-Adresse in eine SegWit-Adresse umwandeln?

    Nein, Bitcoin-Adressen können nicht direkt umgewandelt werden. Um von Legacy auf SegWit zu wechseln, muss man BTC von der Legacy-Adresse an eine neue SegWit-Adresse ĂŒberweisen.

    Man erstellt dazu also ein neues Bitcoin Wallet. Hierbei gilt es darauf zu achten, dass man im Vorfeld entsprechende Backups anfertigt, um die Migration zum neuen Adressformat vollstÀndig abzusichern.

    Wie lange sind Bitcoin-Adressen gĂŒltig?

    Bitcoin-Adressen bleiben im Prinzip unbegrenzt gĂŒltig. Es wird jedoch allgemein empfohlen, fĂŒr jede Transaktion eine neue Adresse zu verwenden, um die PrivatsphĂ€re und Sicherheit zu erhöhen.

    Dies gilt unabhÀngig vom verwendeten Adresstyp, weshalb auch Legacy-Adressen in Zukunft den Anschluss nicht verlieren werden.


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    Betreiber und GrĂŒnder von Kryptokenner.de. Ich beschĂ€ftige mich seit 2014 mit KryptowĂ€hrungen. Der freiheitliche, philosophische Gedanke von Bitcoin hat mich zuerst begeistert, doch erst einige Zeit spĂ€ter habe ich das Potential in der Blockchain-Technologie verstanden. Mein Ziel ist es euch das sichere Investieren und den Nutzen von KryptowĂ€hrungen nĂ€her zu bringen. Mehr zu mir und dem Blog.