Non Custodial Wallet versus Custodial Wallet

Non Custodial, Self Hosted und Unhosted Wallets sind Wallets bei du selbst die Verwahrung vornimmst. Dem gegenüber stehen Custodial, Hosted oder auch zentralisierten Wallets. In diesem Artikel gehe ich auf den Unterschied der beiden Wallet-Arten ein und erkläre dir warum ein “Non Custodial Wallet” die bessere Wahl ist.

Was ist ein Non Custodial Wallet?

Ein Non-Custodial Wallet (andere Worte sind Self Hosted, Unhosted oder neuerdings auch Free Wallet) ist ein Kryptowährungswallet, worüber du volle Kontrolle hast und der alleinige Eigentümer der Coins bist.

Die Verwahrung der Coins geschieht ohne eine zentrale Stelle bzw. Mittelsmann* und du kannst ohne die Zustimmung eines solchen Intermediär auf deine Coins zugreifen.

Non-Custodial Wallets sind analog wie herkömmliche Brieftaschen, wo du auf dein Bargeld zugreifen kannst. Auch hier benötigst du keine Zustimmung eines anderen, um auf das Bargeld zuzugreifen.

Non-Custodial Wallets sind wie Wallets ursprünglich gedacht waren und kommen mit allen Vor- und Nachteilen, die solche Art der Selbstverwaltung bringt, einher.

Vorteile Non Custodial Wallet

Der größte Vorteile von Non-Custodial Wallets ist die Resistenz gegenüber Zensur durch Staat, Unternehmen oder anderen Spielern. In einem offenen Blockchain-Netzwerk (wie Bitcoin, Ethereum oder die meisten anderen kannst du dadurch nicht “vom Netz” genommen werden. Keiner kann dich daran hindern Coins zu erhalten oder auszugeben.

2011 zeigte Wikileaks das Zensur-Problem bei digitalen Zahlungen sehr deutlich auf. Die Enthüllungsplattform Wikileaks, welche sich durch Spenden finanziert, wurde von zentralen Zahlungsdienstleistern (wie Banken oder PayPal) “vom Netz genommen”. Problematisch denn Wikileaks war auf die Spenden angewiesen und hatte bei diesen zentralen Zahlungsdienstleistern in diesem Sinne Custodial Wallets hinterlegt. Nur durch Zustimmung der Zahlungsdienstleister konnte Wikileaks auch auf die Spenden zugreifen. Wikileaks eröffnete daraufhin ein Non-Custodial Wallet im Bitcoin-Netzwerk, konnte so die Zensur umgehen und sich selbst retten.

Ein weiterer Vorteil ist der Schutz vor Hacks. Dies ist durch die neuartige Technik Blockchain-spezifisch, da einmal gemachte Zahlungen nicht umkehrbar sind. Wird dein Custodial Wallet z.B. auf einer Kryptobörse gehackt, was in der Vergangenheit häufiger vorkam, dann können deine Coins davon auch betroffen sein. Eine zentrale Stelle stellt für einen Angreifer ein beliebtes und lukratives Ziel dar, da hier einfach mehr zu holen ist als bei einem einzelnen Non-Custodial Wallet.

Nachteile Non Custodial Wallet

Nachteile bei Non-Custodial Wallets kann die fehlende Benutzerfreundlichkeit und die höhere Eigenverantwortung für Einsteiger sein. In einer perfekten Welt wären dies keine richtigen Nachteile. Aber der Fakt, dass du als Einsteiger deine Coins verlierst, wenn du das Wallet löschst (bzw. die Private Keys) ohne eine Backup gemacht zu haben, erfordert ein Umdenken und einen Lernprozess. Dies ist bei Custodial Wallets so natürlich nicht möglich, da das Backup durch den zentralen Dienstleister für dich erstellt wird.

Wieder die Analogie zum Bargeld. Verlierst du deine Brieftasche ist das Bargeld verloren, ohne dass du es zurückholen kannst. Verlierst du allerdings den Zugang zu deinen Bankkonto oder deinem PayPal-Account ist das kein Problem, denn du kannst einfach den Kundenservice kontaktieren und dein Passwort zurücksetzen lassen.

Daher erfordert die Nutzung von Non-Custodial Wallets auch ein Umdenken hin zu mehr Eigenverantwortung im Bereich von digitalem Geld.

Was ist ein Custodial Wallet?

Custodial Wallet (oder auch Hosted Wallets) sind Wallets bei dem ein Drittanbieter deine Coins durch den Besitz der Private Keys kontrolliert.

Durch das Aufkommen von digitalen Handelsplattformen zum Kauf und Verkauf von Kryptowährungen etablierte sich auch diese neue Wallet-Art. Denn diese zentralen Kryptobörsen müssen deine Coins kontrollieren, um effizient und kostengünstig Angebot- und Nachfrageseite zusammenzubringen. Aus Bequemlichkeit ließen immer mehr Nutzer ihre Coins auf diesen Börsen, auf die wie ein PayPal-Konto zugegriffen wird (Kontoname und Passwort). Der Hack von Mt. Gox und weiteren Kryptobörsen führten allerdings nicht zu einer Reduzierung von Custodial Wallets.

Aber nicht nur Kryptobörsen bieten Custodial Wallets an. Es gibt auch spezielle Dienstleister, die sich auf die Verwahrung von (großen) Summen von Kryptowährungen spezialisiert haben.

Vorteile Custodial Wallet

Die einfache Handhabung ist ein Vorteil von Custodial Wallets. Lediglich ein Benutzername und ein Passwort sind notwendig. Empfehlenswert ist ein zweiter Faktor zur Anmeldung. Das lässt eine Kryptobörse wie ein PayPal-Konto wirken, nur mit anderem “Geld” halt. :-) Verlierst du dein Passwort, kannst du es einfach zurücksetzten lassen, denn häufig musst du bei der Anmeldung persönliche Daten angeben, sodass die Börse deine Identität feststellen und überprüfen kann. Dies ist für Einsteiger sicherlich ein wichtiger Punkt.

Seriöse Anbieter verfügen darüber hinaus auch über eine gute IT-Infrastruktur, die Hackern den Diebstahl der Datenbanken erschwert. Die meisten Coins werden im Cold Storage verwahrt.

Nachteile Custodial Wallet

Custodial Wallets sind anfällig gegenüber Zensur, sei sie berechtigt oder willkürlich (siehe dazu auch Kapitel Non Custodial Wallet). Die Anbieter verfügen dazu über viele persönliche Daten ihrer Nutzer, die mit deinen Coins verknüpft sind. Ein Thema, das in der Zukunft sicherlich noch relevanter wird.

Ein Krypto-spezifischer Nachteil ist, dass du die Kontrolle über Netzwerk-Belohnung an deinen Dienstleister abgibst. Fällt ein Hardfork an oder steht ein Airdrop eines Tokens an? Häufig musst du darauf hoffen, dass der Dienstleister dir den geforkten Coin oder den geschenkten Token (durch Airdrop) zeitig oder überhaupt zur Verfügung stellt.

An dieser Stelle sei an den 2017 Bitcoin-Hardfork (Bitcoin und Bitcoin Cash) erinnert an dem Coinbase den neu generierten Bitcoin Cash Coin monatelang seinen Kunden zurückgehalten hat. Nutzer von Non Custodial Wallets konnten sofort auf beide Coins (BTC und BCH) zugreifen und z.B. BCH sofort handeln. In den folgenden Monaten ist der BCH-Preis übrigens, nach Höhepunkt direkt nachdem Hardfork, abgestürzt. Coinbase-Nutzer hatte die Möglichkeit den BCH zu Höchstpreisen zu verkaufen also nicht.

Fazit: Non Custodial Wallet oder Custodial Wallet?

Für mich gibt es da nur eine Antwort: Non Custodial Wallet! Ich werde nicht müde seit dem Beginn der Webseite Kryptokenner Anfang 2017 euch die Wichtigkeit von Selbstverwahrung aufzuzeigen. Die Idee von Custodial Wallets ist veraltet und gehört nicht in die technologische Zeit von Bitcoin und Blockchains.

Die Selbstverwahrung in Non-Custodial Wallets lehrt dich wichtige Aspekte über Dezentralität, Geld und vielen weiteren Feldern, die ich hier alle gar nicht aufzählen möchte. Verantwortung zu übernehmen, mit allen Konsequenzen positiv wie negativ, ist wichtig, gerade wie bei einem solch entscheidenden Thema wie Geld.

Und es muss nicht immer kompliziert sein. Hardware Wallets wie zum Beispiel von der Firma Ledger bieten eine gute Kombination aus Bequemlichkeit und Selbstverwaltung. Denk dran: Not your keys, not your coins. Ich hoffe du wirst dies nicht auf die harte Weise lernen.

Nutzt du ein Custodial oder Non-Custodial Wallet? Schreib mir gerne in die Kommentare!

*Natürlich benutzt du (immer) eine nicht von dir programmierte Software, um mit den Netzwerk zu agieren und die Interaktion zu vereinfachen. Dies ist allerdings nicht als “zentrale Stelle” zu sehen, da ohne Zustimmung die Software wechseln kannst du die Software niemals auf deine Coins (Privat Keys) zugreifen kann.

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Marco Schneekluth

Autor

Marco Schneekluth
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Blogger und Bitcoin-En­thu­si­ast. Ich beschäftige mich seit 2014 mit Kryptowährungen. Der freiheitliche, philosophische Gedanke von Bitcoin hat mich zuerst begeistert, doch erst einige Zeit später habe ich das Potential in der Blockchain-Technologie verstanden. Mein Ziel ist es euch das Investieren und den Nutzen von Kryptowährungen auf eine einfache Weise näher zu bringen.