Steuern auf Kryptowährungen sind ein heiß diskutiertes Thema – national wie international. Aktuell sorgt insbesondere eine geplante Steuerreform in den Niederlanden für Aufmerksamkeit: Ab 2028 könnten Kapitalerträge auf eine völlig neue Weise besteuert werden – und das betrifft auch Bitcoin- und Krypto-Investoren.
Was steckt konkret hinter dieser Reform? Wie unterscheidet sich die niederländische Regelung von den deutschen Steuergesetzen? Und gibt es daraus auch für deutsche Anleger wichtige Lehren?
Hintergründe: Die Box3-Besteuerung in den Niederlanden
Zunächst ein kurzer Überblick zur aktuellen Situation: In den Niederlanden werden aktuell Kapitalerträge im sogenannten „Box3“-System besteuert. Das bedeutet, dass der Staat jedes Jahr eine pauschale Durchschnittsrendite für das gesamte Privatvermögen (z.B. Immobilien, Aktien, Edelmetalle, Tagesgeld oder eben Kryptowährungen) annimmt und darauf Steuern erhebt – unabhängig davon, wie hoch die tatsächliche Rendite war.
Beispiel: Auch wer sein Geld nur auf dem Sparkonto parkt und kaum Zinsen erhält, zahlt unter Umständen auf eine angenommene, aber nicht tatsächlich erzielte Rendite Steuern. Das führte in Zeiten niedriger Zinsen immer wieder zu Kritik, weil viele Anleger die verlangten Erträge gar nicht erwirtschaften konnten.
Die geplante Reform: Steuer auf unrealisierte Gewinne
Mit der Reform, die ab 2028 greifen könnte, plant die niederländische Regierung nun einen weiteren, tiefgreifenden Schritt: Erstmals sollen auch unrealisierte Gewinne besteuert werden. Das betrifft nicht nur Aktien- oder Immobilienbesitz, sondern auch Bitcoin und andere Kryptowährungen im privaten Portfolio.
Der zentrale Unterschied: Bisher musste, wie in Deutschland, erst dann Steuern gezahlt werden, wenn Gewinne durch einen Verkauf tatsächlich realisiert wurden. Nach der neuen Regelung wird stattdessen der Wertzuwachs zum Jahresende (also der Buchgewinn) besteuert – selbst, wenn die Anlage gar nicht verkauft wurde.
Konditionen der Reform im Überblick:
- Bemessungsgrundlage: Der Buchgewinn (also die Differenz zwischen dem Wert zu Jahresbeginn und Jahresende)
- Steuersatz: Geplant sind ca. 36 %
- Verlustverrechnung: Verluste können mit den Gewinnen gegengerechnet werden, Details sind allerdings noch offen
Ein einfaches Beispiel
Stell dir vor, dein Bitcoin-Portfolio hat zum 31. Dezember 10.000 Euro Gewinn im Vergleich zum Jahresanfang erzielt – du hast aber nichts verkauft. Trotzdem müssten nach der geplanten Reform 36 % davon, also 3.600 Euro, in der nächsten Steuererklärung angegeben und abgeführt werden. Erst im Folgejahr, nach Abschluss der Steuerveranlagung, käme dann die tatsächliche Zahlungsaufforderung.
Was macht die geplante Steuer so problematisch?
Gerade für volatile Anlagen wie Kryptowährungen birgt eine Steuer auf unrealisierte Gewinne besondere Risiken. Kurse schwanken mitunter im Wochen oder sogar Tagesrhythmus stark. Was heute ein hoher Buchgewinn ist, kann morgen durch ein Kurssturz schnell wieder vernichtet sein.
Kritische Szenarien für Anleger
- Bullen- vs. Bärenmarkt: Im Bullenmarkt (steigende Kurse) häufst du hohe nicht realisierte Gewinne an. Auf dem Papier wächst dein Vermögen. Bricht der Markt wenige Monate später ein (Bärenmarkt), ist ein Großteil dieses Gewinns wieder verpufft.
- Liquiditätsfalle: Die Steuer wird auf den Buchgewinn fällig, egal ob du Verkaufsgewinne tatsächlich realisiert hast oder nicht. Viele Anleger planen solche Zahlungen nicht im Voraus fest ein und könnten dann Gefahr laufen, ihre Positionen zu schlechten Kursen verkaufen zu müssen, nur um die Steuerforderung bedienen zu können.
- Unsicherheit bei der Berechnung: Gerade im Kryptobereich ist die korrekte und transparente Dokumentation von Buchgewinnen nicht immer einfach, zumal sich steuerliche Detailfragen (z. B. zum Stichtagswert) erst noch klären müssen.
Tipp aus der Praxis: Wer aktiv mit volatilen Assets handelt, sollte stets im Hinterkopf behalten, dass mögliche Steuerforderungen auch dann entstehen können, wenn gar kein „echtes“ Geld geflossen ist. Es empfiehlt sich, potenzielle Steuerzahlungen vorab einzuplanen und freiwillig Rücklagen zu bilden.
Ich selbst nutze dafür das Kryptosteuer-Tool Cointracking.
Vergleich: Regelung in Deutschland und was Privatinvestoren beachten müssen
Noch müssen sich deutsche Privatinvestoren keine Gedanken über eine Steuer auf unrealisierte Gewinne machen. In Deutschland gilt weiterhin das Prinzip: Erst beim Verkauf wird der Gewinn steuerpflichtig – zu deinem persönlichen Einkommensteuersatz (bis 45%). Wichtige Zusatzfeatures für Privatpersonen:
- Steuerfreiheit nach Haltefrist: Wer seine Kryptowährungen länger als 12 Monate hält, kann den Gewinn sogar komplett steuerfrei realisieren.
- Verlustverrechnung: Verluste aus Kryptowährungsgeschäften innerhalb der Jahresfrist können mit Gewinnen verrechnet werden. Werden Verluste erst nach 12 Monaten realisiert, sind sie nicht mehr ausgleichsfähig.
- Steuerfreibetrag: Es gibt aktuell eine Freigrenze von 1.000 Euro pro Jahr. Erst bei Überschreiten wird der vollständige Betrag steuerpflichtig.
Praktische Empfehlung: Überwache aktiv dein Portfolio, realisiere ggf. gezielt Verluste, um steuerliche Vorteile zu nutzen, und dokumentiere alle Transaktionen sorgfältig. In Deutschland ist es zudem ratsam, steuerliche Fristen und Freibeträge auszuschöpfen.
Einordnung: Was heißt das für Krypto-Investoren (auch in Deutschland)?
Auch wenn die Reform derzeit „nur“ in den Niederlanden ansteht, ist Wachsamkeit geboten. Steuerrechtliche Änderungen bei den Nachbarn können oft einen Präzedenzfall darstellen, auf den andere EU-Länder später zurückgreifen. Daher beobachten Experten solche Entwicklungen mit besonderem Interesse.
Kritische Bewertung
Die geplante Steuer auf unrealisierte Gewinne trifft in erster Linie den typischen Privatanleger. Wohlhabendere Investoren haben meist die Möglichkeit, ihr Vermögen in Gesellschaften auszulagern oder flexibler ins Ausland zu verlagern – Otto Normalverbraucher jedoch nicht.
Fazit: Die Gefahr, dass Kleinanleger entmutigt werden, sich mit Vermögensaufbau und Investitionen zur Altersvorsorge zu beschäftigen, ist real. Krypto- und Aktienanlagen sind ein zentraler Baustein moderner Spar- und Anlagestrategien – eine übermäßige Besteuerung auf hypothetische Buchgewinne kann fatale Anreize setzen.
Fazit: Worauf solltest du als Kryptokenner achten?
Die niederländische Steuerreform zeigt, wie schnell sich politische Rahmenbedingungen ändern und wie unterschiedlich Staaten Krypto-Investments einschätzen. Für dich als Anleger heißt das:
- Bleibe informiert: Beobachte nicht nur die Entwicklung im eigenen Land. Internationale Gesetzesänderungen können Signalwirkung haben!
- Plane Steuern ein: Rücklagen für mögliche Steuerzahlungen – auch für Gewinne, die (noch) nicht realisiert wurden – schützen vor unangenehmen Überraschungen.
- Diversifiziere und dokumentiere: Halte deine Transaktionen sauber fest, prüfe regelmäßig die Haltefristen und überlege, wie du Verluste gezielt realisieren und verrechnen kannst.
- Beteilige dich an der Diskussion: Steuerpolitik betrifft uns alle. Nur wenn Krypto-Anleger ihre Interessen vertreten und kritisch begleiten, können ungerechte Maßnahmen hinterfragt oder abgemildert werden.
Quelle Blocktrainer







